Vielleicht ist es Ihnen in der Apotheke oder im Online-Shop auch schon aufgefallen: klassisches Vitamin C für ein paar Euro und direkt daneben dasselbe Vitamin mit dem Zusatz „liposomal“ zum drei- bis vierfachen Preis.

Der erste Gedanke ist oft skeptisch – handelt es sich nur um eine weitere Methode, uns mit einer hübschen Verpackung Geld aus der Tasche zu ziehen, oder hat diese Technologie tatsächlich einen Sinn? Schauen wir uns einmal an, was genau sich in diesen kleinen Kapseln oder Flüssigkeiten verbirgt und warum viele Ärzte und Biohacker voll und ganz davon überzeugt sind.
Was ist eigentlich ein Liposom?
Das Wort „Liposom“ klingt fast schon nach Labor, doch das Prinzip ist genial einfach und von der Natur selbst inspiriert.
Ein Liposom ist ein mikroskopisch kleines Kügelchen (Vesikel), dessen Hülle aus einer Doppelschicht aus Phospholipiden besteht – genau denselben Fettmolekülen, aus denen auch die Zellmembranen in unserem Körper aufgebaut sind.
Einfach ausgedrückt: Ein Liposom fungiert als undurchdringliche mikroskopisch kleine Kapsel, in deren Inneres Wissenschaftler einen Wirkstoff, beispielsweise ein Vitamin oder einen Mineralstoff, „eingepackt“ haben.
Aufnahme in großen Mengen
Um den Vorteil von Liposomen zu verstehen, müssen wir uns ansehen, was eine gewöhnliche Tablette durchläuft:
1. Kampf ums Überleben im Magen: Sie schlucken eine gewöhnliche Tablette. Im Magen erwarten sie aggressive Magensäuren und Verdauungsenzyme. Ein großer Teil des Vitamins wird zersetzt, bevor es überhaupt die Chance hat, seine Wirkung zu entfalten.
2. Engstelle im Darm: Der Rest gelangt in den Dünndarm, wo er resorbiert werden soll. Allerdings benötigen herkömmliche Vitamine spezielle Transporter, um die Darmwand zu passieren (stellen Sie sich diese wie Drehkreuze in einem Stadion vor). Wenn diese Drehkreuze voll sind, scheidet der Körper den überschüssigen Vitaminanteil einfach aus. Bei hohen Dosen des klassischen „C-Vitamins“ reizt das nicht resorbierte Vitamin zudem den Verdauungstrakt und verursacht Krämpfe oder Durchfall.
Wie funktionieren liposomale Nahrungsergänzungsmittel?
1. Dank seiner Fettschicht gelangt es ungehindert durch die saure Umgebung des Magens, ohne dabei zerstört zu werden.
2. Wenn es die Darmwand erreicht, erkennt der Körper darin keinen Fremdkörper und benötigt auch keine freien „Kontrollpunkte“. Die Hülle des Liposoms ist nämlich chemisch fast identisch mit den Zellen unseres Körpers.
3. Die Darmzelle nimmt das Liposom einfach auf (verschmilzt mit ihm), die Kapsel platzt auf und das Vitamin gelangt direkt in den Blutkreislauf und zu den Zielgeweben.
Das Ergebnis? Die Bioverfügbarkeit herkömmlicher Darreichungsformen liegt oft bei etwa 10 bis 20 %, während sie bei hochwertigen liposomalen Darreichungsformen 80 bis 95 % erreicht.
Wo begegnet man der liposomalen Form am häufigsten?
Nicht jedes Vitamin benötigt unbedingt eine liposomale Hülle. Am häufigsten wird diese Technologie bei Substanzen eingesetzt, die von Natur aus schlecht resorbierbar sind oder den Magen reizen:

Vitamin C: Der absolute König dieser Kategorie. Bei herkömmlichem Vitamin C gilt: Je höher die Einzeldosis, desto geringer ist der Prozentsatz, der resorbiert wird. Liposomales Vitamin C ermöglicht die Einnahme hoher Dosen ohne Verdauungsbeschwerden und mit einer Wirksamkeit, die mit einer intravenösen Infusion vergleichbar ist.
Curcumin: Ein außerordentlich starkes, entzündungshemmendes Antioxidans aus Kurkuma, das jedoch in seiner normalen Form kaum resorbierbar ist. In liposomaler Form erhöht sich seine Bioverfügbarkeit um ein Vielfaches – um Hunderte von Prozent.
Glutathion: Auch als „Mutter aller Antioxidantien“ bezeichnet. Normales Glutathion wird im Magen fast sofort durch Enzyme in einzelne Aminosäuren zerlegt, sodass es oral praktisch nicht wirkt – Liposomen sind der einzige realistische Weg, es ohne Nadel in die Zellen zu bringen.
Vitamin D3 und K2: Obwohl es sich um fettlösliche Vitamine handelt, erfolgt ihr Transport in die Gewebe in liposomaler Form noch schneller und stabiler, insbesondere bei Menschen mit Fettverdauungsstörungen.
B-Komplex und Eisen: Liposomales Eisen verursacht weder die oft erwähnte Verstopfung noch Übelkeit, da es über einen anderen Mechanismus resorbiert wird als herkömmliche Eisensalze.
Die Liposomen-Technologie ist nicht nur ein weiterer kurzlebiger Trend, sondern eine kluge Lösung für ein altes Problem: Wie lässt sich die maximale Wirkstoffmenge genau dorthin bringen, wo der Körper sie tatsächlich verwerten kann? Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Hausapotheke gegen teurere Alternativen austauschen. Das Geheimnis liegt in der strategischen Auswahl – gönnen Sie Ihrem Körper die liposomale Form, wenn Sie sich unwohl fühlen, eine anstrengende Zeit durchmachen oder zu Substanzen greifen, die der Magen normalerweise nicht verwerten kann. Schließlich ist das teuerste Vitamin immer dasjenige, das einfach nutzlos durch Ihren Körper fließt. Haben Sie bereits persönliche Erfahrungen mit liposomalen Vitaminen gemacht, oder bleiben Sie vorerst den klassischen Tabletten treu?